Erschöpft, aber kein Burnout? Oft stauen sich nur Entscheidungen
Im Entscheidungsstau funktionieren Sie, aber «bleiben oder gehen» und «verkaufen oder weitermachen» liegen seit Monaten unentschieden und kosten Kraft. Erschöpfung zeigt sich am Körper: Schlaf fehlt seit Wochen, Ferien bringen keine Erholung. Ein Gespräch führt den Stau oft auf eine Frage zurück. Die Fragen, die dorthin führen, stellt Winn Chelini als Sparringspartner in Zürich, an der Goldküste und in Zug.
Was unterscheidet Erschöpfung von einem Entscheidungsstau?
Erschöpfung ist ein Zustand des Körpers und der Stimmung: Sie schlafen schlecht, erholen sich am Wochenende nicht, und Dinge, die Ihnen früher leichtfielen, kosten Kraft. Ein Entscheidungsstau ist etwas anderes. Er entsteht, wenn mehrere Fragen gleichzeitig offen sind und keine davon beantwortet wird. Bleibe ich Partner, oder gehe ich? Trenne ich mich von dem Mitarbeiter, der seit zwölf Jahren dabei ist? Verkaufe ich, oder mache ich weiter, bis die Kinder sich entschieden haben?
Jede dieser Fragen ist für sich lösbar. Zusammen werden sie zu einer Last, die Sie in jede Sitzung, in jedes Wochenende, in jede Nacht tragen. Von aussen läuft alles. Innen läuft eine Schleife.
Ein einfacher Test: Stellen Sie sich vor, drei Ihrer offenen Fragen wären morgen entschieden, egal wie. Fühlen Sie sich beim Gedanken daran leichter, spricht das für einen Stau. Fühlen Sie sich auch dann noch leer, spricht das für Erschöpfung, und die Reihenfolge ist klar: zuerst der Arzt, dann das Gespräch.
Warum viele das Wort Burnout ablehnen, und warum das in Ordnung ist
Viele Menschen in dieser Lage lehnen das Wort ab. Nicht aus Stolz, sondern weil es nicht stimmt: Sie entscheiden jeden Tag für Mandanten, Teams und Patienten. Was fehlt, ist die Kraft für die eigenen Entscheidungen.
Dass Sie das Wort nicht wollen, ist in Ordnung. Ob Erschöpfung eine Krankheit ist, beurteilen Ärztinnen und Psychotherapeuten – nicht Coaches und nicht Sparringspartner. Sie brauchen keine Diagnose, um eine Entscheidung zu treffen, die seit Monaten wartet. Sie brauchen aber eine ärztliche Abklärung, wenn der Körper Zeichen gibt; dazu unten mehr.
Was sagen Schweizer Zahlen über Erschöpfung bei Erwerbstätigen und Führungskräften?
Die Zahlen zeigen zwei Dinge: Erschöpfung ist in der Schweiz verbreitet, und Führungskräfte berichten nicht häufiger davon als andere.
- Der Job-Stress-Index 2022 von Gesundheitsförderung Schweiz (3’022 Erwerbstätige, 16 bis 65 Jahre) weist 30,3 Prozent emotional Erschöpfte aus, zum ersten Mal seit 2014 über 30 Prozent; 28,2 Prozent liegen im kritischen Bereich. Die Kosten für die Wirtschaft schätzt die Studie auf rund CHF 6,5 Milliarden pro Jahr.
- Die Schweizerische Gesundheitsbefragung des Bundesamts für Statistik zeigt, dass der Anteil der Erwerbstätigen, die sich bei der Arbeit gestresst fühlen, von 18 Prozent (2012) auf 23 Prozent (2022) gestiegen ist (2022: 10’962 Befragte).
- In «Wie geht’s, Schweiz?» von SRG und gfs.bern (2023, 57’778 Teilnehmende, keine Zufallsstichprobe) geben 17 Prozent der Befragten ab 16 Jahren an, ein arbeitsbedingtes Burnout erlebt zu haben; 25 Prozent der Erwerbstätigen schätzen sich als gefährdet ein.
- Im Job-Stress-Index 2020 berichteten Führungskräfte seltener von Stress als Mitarbeitende ohne Führungsverantwortung; SRF führte das auf die grösseren Ressourcen zurück, die mit der Position verbunden sind.
Ihre Lage ist also statistisch nicht ungewöhnlich – und die Ressourcen der Position schützen offenbar. Eine davon ist der Spielraum, selbst zu entscheiden. Genau dieser Spielraum ist in einem Entscheidungsstau blockiert: Sie hätten ihn, nutzen ihn aber nicht, weil die Entscheidung aussteht.
Wann ist der Arzt die richtige Adresse – klare Kriterien
Ich stelle keine Diagnosen. Die folgenden Punkte sind keine Checkliste für eine Krankheit, sondern die Beobachtungen, bei denen ich Sie zuerst zum Hausarzt oder zur Hausärztin schicke, bevor wir über Entscheidungen sprechen:
- Sie schlafen seit mehr als drei Wochen schlecht, unabhängig davon, was tags zuvor war.
- Ein freies Wochenende oder zwei Wochen Ferien bringen keine Erholung.
- Körperliche Beschwerden, die neu sind oder nicht abklingen.
- Sie trinken mehr oder greifen zu Mitteln, um zu funktionieren oder zu schlafen.
- Sie empfinden Hoffnungslosigkeit oder haben Gedanken, sich etwas anzutun. Dann warten Sie nicht auf einen Termin bei mir: Hausarzt, Psychotherapeutin, die Dargebotene Hand unter 143, im Notfall 144.
- Was Sie früher gern taten, ist Ihnen seit Wochen gleichgültig.
Trifft keiner dieser Punkte zu, und Sie können klar denken, sobald Sie in Ruhe sind, ist ein Gespräch über Ihre offenen Entscheidungen der richtige Rahmen. Trifft einer zu, gehen Sie zuerst zum Arzt; das schliesst ein Sparring nicht aus, es legt die Reihenfolge fest. Ausführlicher steht das in der Notiz Wann brauchen Sie einen Therapeuten, wann genügt ein Gesprächspartner?.
Noch ein Wort zur Akte, weil die Frage oft mitschwingt: Ja, ein Arztbesuch wird dokumentiert. Das ist kein Grund, ihn zu meiden. Ärztinnen und Ärzte unterliegen dem Berufsgeheimnis nach Art. 321 StGB; ohne Ihre Einwilligung gelangt daraus nichts an Ihren Arbeitgeber.
Was ein Gespräch ausserhalb von Firma, HR und Akte leistet
Ein Sparring ersetzt weder den Arzt noch das Gespräch mit Ihrer Partnerin oder einem alten Freund. Es leistet etwas anderes: Jemand ohne Anteil am Ergebnis sortiert Ihre offenen Entscheidungen mit Ihnen nach Frist und Gewicht und fragt bei jeder, was Sie eigentlich daran hindert. In 60 Minuten lässt sich ein Stau aus fünf Fragen oft auf eine zurückführen, an der die anderen hängen.
Dass das ausserhalb von Firma und HR stattfindet, ist Bedingung, nicht Komfort: Mit Verwaltungsrat, Mitgesellschafter oder Personalabteilung können Sie nicht offen darüber sprechen, ob Sie bleiben. Jeder dort hat ein Interesse; ich habe keines.
Und die Akte? Ich führe keine. Es gibt keine Aufzeichnungen, nur knappe Notizen, spätestens 12 Monate nach Abschluss vernichtet. Die Vertraulichkeit ist schriftlich vereinbart und gilt auch gegenüber Arbeitgeber, Familie und Geschäftspartnern. Sie hat drei Grenzen, die ich Ihnen vorher nenne: eine rechtsverbindliche Anordnung eines Gerichts oder einer Behörde, akute Gefahr für Leib und Leben und das Wohl eines Kindes. Ein Berufsgeheimnis wie Ärzte oder Anwälte habe ich nicht; meine Verschwiegenheit beruht auf unserer Vereinbarung und auf dem Datenschutzgesetz.
Praktisch heisst Sparring: 60 Minuten bei Ihnen zu Hause, im Büro oder an einem ruhigen Ort Ihrer Wahl, Anfahrt im Umkreis von 60 Fahrminuten um Wetzikon inbegriffen; 90 Minuten auf Anfrage, online ebenfalls möglich. Termine nach Vereinbarung: meist am Abend, montags auch tagsüber, dazu samstags und sonntags. Der Preis richtet sich nach Format und Dauer; Sie erfahren ihn im vertraulichen Gespräch vorab, bevor Sie sich entscheiden. Oft genügt ein Gespräch. Geht es um eine einzelne Entscheidung mit Frist, beschreibt Entscheidung unter Zeitdruck: warum oft ein Gespräch reicht den Ablauf; die Abgrenzung zu Coach, Berater und Therapeut steht in Sparringspartner, Coach, Mentor oder Berater: was ist der Unterschied?.
Kurz gesagt
Wer funktioniert, aber für die eigenen Entscheidungen keine Kraft hat, steckt oft in einem Stau aus mehreren offenen Fragen. Ob dahinter eine Erkrankung steht, beurteilt der Hausarzt; dauert schlechter Schlaf länger als drei Wochen oder bringen die Ferien keine Erholung, ist er die erste Adresse. Ist das geklärt, führt ein Gespräch ausserhalb von Firma, HR und Akte den Stau oft auf eine Frage zurück, die sich entscheiden lässt.
Wenn Sie diese Frage mit jemandem durchdenken möchten, der nichts davon hat: Winn Chelini, unabhängiger Vertrauter und Sparringspartner in Zürich, an der Goldküste und in Zug. Der erste Schritt ist ein vertrauliches Gespräch – 20 Minuten, telefonisch oder per Video, kostenlos und ohne Nachfassen.
Kurz beantwortet
Fragen zu diesem Thema
Woran erkenne ich, ob es ein Entscheidungsstau ist und nicht Erschöpfung?
Stellen Sie sich vor, drei Ihrer offenen Fragen wären morgen entschieden, egal wie. Fühlen Sie sich beim Gedanken daran leichter, spricht das für einen Stau. Fühlen Sie sich weiterhin leer, schlafen seit Wochen schlecht oder erholen sich in den Ferien nicht, spricht das für Erschöpfung – dann zuerst zum Hausarzt.
Muss ich zuerst zum Hausarzt, bevor ich ein Sparring anfrage?
Nein, eine Pflicht gibt es nicht. Trifft aber einer der genannten Punkte zu – Schlaf seit mehr als drei Wochen schlecht, keine Erholung in den Ferien, neue körperliche Beschwerden, Hoffnungslosigkeit –, sage ich Ihnen im vertraulichen Gespräch vorab, dass der Arzt zuerst kommt. Ein Sparring schliesst das nicht aus; es legt die Reihenfolge fest.
Was passiert, wenn sich im Gespräch zeigt, dass es doch gesundheitlich ist?
Dann sage ich es Ihnen offen und helfe Ihnen, rasch an die richtige Stelle zu kommen: Hausarzt, Psychotherapeutin oder bei akuter Gefahr der Notfall. Das Gespräch über Ihre Entscheidungen holen wir nach, sobald die gesundheitliche Frage geklärt ist. Berechnet wird nur, was stattgefunden hat.
Quellen
- Gesundheitsförderung Schweiz, Job-Stress-Index 2022: Erschöpfungsrate 30,3 %, kritischer Bereich 28,2 %, Kosten rund CHF 6,5 Mrd.; Erhebung 2026 abgeschlossen, Resultate Q1 2027 – friendlyworkspace.ch, abgerufen am
- Die Mobiliar, Studie Job-Stress-Index 2022: Stichprobe 3'022 Erwerbstätige, 16–65 Jahre – mobiliar.ch, abgerufen am
- SRF, «Neuer Job-Stress-Index: Stress im Job – Zunahme vor allem bei den Jungen» (Führungskräfte berichten seltener von Stress), 2. September 2020 – srf.ch, abgerufen am
- Bundesamt für Statistik, Medienmitteilung «Arbeit und Gesundheit 2012–2022», Schweizerische Gesundheitsbefragung 2022: bei der Arbeit gestresst 18 % (2012) → 23 % (2022), 10'962 Befragte – dam-api.bfs.admin.ch, abgerufen am
- gfs.bern im Auftrag der SRG SSR, «Wie geht's, Schweiz?», Schlussbericht 2023: 57'778 Befragte, 17 % arbeitsbedingtes Burnout erlebt, 25 % der Erwerbstätigen gefährdet – gfsbern.ch, abgerufen am
- Art. 321 StGB, Verletzung des Berufsgeheimnisses (gilt für Ärztinnen und Ärzte, nicht für Sparringspartner) – fedlex.admin.ch, abgerufen am
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Das vertrauliche Gespräch. Kostenlos, 20 Minuten.
Am Telefon oder per Video. Sie müssen nichts vorbereiten und nichts begründen. Danach wissen Sie, ob meine Art zu Ihnen passt.
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