Notizen

Pensionierung als Unternehmer oder Partner: was kommt danach?

Klären Sie, was zählen soll, bevor Mandate den Kalender füllen. Wer jahrzehntelang Firma oder Kanzlei geführt hat, verliert mehr als den Takt: die Zuständigkeit und die Antwort auf «Was machen Sie?». Geld fehlt selten; ein Gegenüber ohne eigene Meinung dazu, was Sie tun sollten, schon. Winn Chelini ist dieses Gegenüber, als Sparringspartner in Zürich, an der Goldküste und in Zug.

Die Übergabe ist geregelt, das Konto stimmt. Dann kommt der erste Montag ohne Termin, und niemand ruft an, um etwas zu fragen. So geht es vielen, die ohne Verkauf aus einer Rolle treten: der Kanzleipartner mit 62, die Chefärztin, der angestellte Geschäftsführer, die Inhaberin nach der Übergabe an die Tochter. Wer seine Firma verkauft hat, liest besser Nach dem Firmenverkauf: wer bin ich ohne die Firma?.

Warum trifft die Pensionierung Partner, Chefärzte und Inhaber anders als Angestellte?

Wer dreissig Jahre eine Firma, eine Kanzlei oder eine Abteilung geführt hat, verliert mit der Pensionierung drei Dinge gleichzeitig: den Takt, den andere vorgaben – Sitzungen, Fristen, Anrufe; die Zuständigkeit – man wurde gefragt, weil man entscheiden konnte; und die Antwort auf die Frage «Was machen Sie?».

Angestellte verlieren den Takt ebenfalls. Der Unterschied liegt in den beiden anderen Punkten. Ein Inhaber war nicht in der Firma, er war die Firma – für Kunden, Bank und Mitarbeitende. Wo so viel Identität an einer Rolle hing, braucht die Lücke länger, bis sie sich füllt. Das ist kein Defizit, sondern die Folge von Jahrzehnten, in denen das Modell funktioniert hat.

Geld ist dabei meist nicht das Thema. Im AXA Ruhestandsmonitor 2025 (n = 1’200) freuen sich finanziell gut Abgesicherte mit 8,1 von 10 Punkten auf die Pensionierung, schlecht Abgesicherte mit 6,7. Die Vorfreude ist da. Was danach kommt, steht in dieser Planung selten, weil Pensionierungsplanung in der Schweiz meist AHV, Pensionskasse und Steuern meint.

Was zeigen Schweizer Zahlen zu Zufriedenheit, Kontakten und Weiterarbeit ab 65?

Zuerst die gute Nachricht: Die meisten Pensionierten in der Schweiz sind zufrieden. In der Swiss-Life-Studie «Wie lebt es sich im Rentenalter?» (YouGov, Januar 2025, 2’063 Befragte zwischen 65 und 80) sind drei von vier Personen im frühen Rentenalter mit ihrem sozialen Netz zufrieden. 23 Prozent haben seit der Pensionierung weniger soziale Kontakte, 34 Prozent finden ihre Kontakte seither wertvoller. 31 Prozent der 65- bis 74-Jährigen fühlen sich zumindest manchmal einsam – weniger als in jüngeren Altersgruppen.

Viele arbeiten weiter: In der Schweiz sind jährlich 180’000 bis 200’000 Personen ab 65 erwerbstätig, im Durchschnitt 30 Prozent der 66-jährigen Männer und 21 Prozent der 65-jährigen Frauen; gut die Hälfte der Erwerbstätigen zwischen 65 und 70 ist selbstständig oder im Familienbetrieb tätig (Swiss Life, «Länger arbeiten», 2024, Basis BFS-Arbeitskräfteerhebung 2018–2022).

Bei Inhabern zeigt sich das Loslassen in den Nachfolgezahlen: In 80 Prozent der realisierten Übergaben zog sich die abgebende Generation aus Alters- oder Gesundheitsgründen zurück; fast die Hälfte war zwei Jahre später noch mindestens eine Stunde pro Woche in der Firma (CFB-HSG/Credit Suisse, Nachfolgestudie 2022, über 150 Unternehmen). 21 Prozent der 66- bis 90-jährigen Inhaber konnten im Herbst 2025 keinen Übergabetermin nennen (UBS/CFB-HSG, Kurzstudie 01, Januar 2026, 401 KMU-Inhaber). Von den 60- bis 64-jährigen Hausärztinnen und Hausärzten wollen vier von zehn mit 65 aufhören; nur rund ein Viertel von ihnen hat die Nachfolge geregelt (BAG/FMH, IHP-Befragung 2025, 1’313 Befragte).

Der Durchschnitt kommt also gut zurecht. Schwierig wird es für eine Minderheit. Dass Inhaber, Partner und Chefärzte darin häufig vorkommen, ist keine Statistik, sondern eine Beobachtung: Sie wurden am längsten gebraucht.

«Seit der Pensionierung braucht mich niemand mehr»: was steckt hinter dem Satz?

Der Satz klingt nach Selbstmitleid und ist meist eine genaue Beobachtung. Jahrzehntelang haben Menschen angerufen, weil sie etwas von Ihnen wollten – eine Unterschrift, eine Einschätzung, ein Ja. Dieses Gebraucht-Werden war anstrengend und zugleich eine verlässliche Rückmeldung, dass Sie zählen. Fällt es weg, fehlt nicht die Arbeit. Es fehlt der Spiegel.

Dahinter stecken oft drei Dinge. Eine offene Rechnung mit der Nachfolge: Der Nachfolger ruft nicht an, und das kränkt, obwohl Sie genau das wollten. Eine Verschiebung zu Hause: Die Partnerin oder der Partner hat seit Jahren einen eigenen Takt, und plötzlich sind Sie den ganzen Tag da. Und die Frage, die niemand gestellt hat, weil alle anderen dringender waren: Was soll jetzt zählen, wenn Sie nicht mehr zuständig sind?

Ein Hobby beantwortet diese Frage nicht, das nächste Mandat auch nicht. Beantworten lässt sie sich mit jemandem, der nichts davon hat, wie die Antwort ausfällt. Ehepartner, ehemalige Kollegen und der Treuhänder haben alle eine Meinung dazu, was Sie jetzt tun sollten. Ein Sparringspartner hat keine.

Ein Gespräch dauert 60 Minuten, 90 Minuten auf Anfrage, bei Ihnen zu Hause oder an einem ruhigen Ort in Zürich, an der Goldküste oder in Zug, Anfahrt im Umkreis von 60 Fahrminuten um Wetzikon inbegriffen; online ebenfalls möglich. Der Preis richtet sich nach Format und Dauer; Sie erfahren ihn im vertraulichen Gespräch vorab, bevor Sie sich entscheiden.

Welche Fragen klären Sie, bevor Sie VR-Mandate, Beiräte und Ehrenämter annehmen?

Die Angebote kommen schnell: ein Verwaltungsratssitz bei einem früheren Lieferanten, ein Beirat beim Verband, das Präsidium im Verein, ein Stiftungsrat. Zusammen füllen sie den Kalender innerhalb eines Jahres wieder – nur ohne den Durchgriff von früher. Fünf Fragen, bevor Sie zusagen:

  1. Will ich das, oder will ich wieder gebraucht werden? Beides ist legitim; nur das Erste trägt noch, wenn der Reiz des Gebraucht-Werdens nachlässt.
  2. Was ist mein Beitrag, den sonst niemand leistet? Lautet die Antwort «mein Name», nehmen Sie ein Repräsentationsamt an, kein Mandat.
  3. Wie viel Verantwortung ohne Durchgriff halte ich aus? Im Verwaltungsrat tragen Sie Verantwortung und Haftung mit; das Tagesgeschäft führt jemand anders.
  4. Was sagt die Person, mit der ich lebe? Nicht als Erlaubnis, sondern als Information: Sie hat sich auf eine andere Pensionierung eingestellt als die mit vier Mandaten.
  5. Was lehne ich ab, damit Platz bleibt? Eine in den ersten zwölf Monaten vollständig verplante Pensionierung beantwortet die Frage nach dem Danach nicht. Sie verschiebt sie.

Eine Faustregel: Das erste Angebot, das Sie annehmen, sollte nicht das erste sein, das kommt. Ein Mandat mit Antwortfrist ist ein typischer Anlass für ein einzelnes Gespräch, kein Programm.

Wann ist das ein Fall für den Hausarzt, nicht für ein Gespräch?

Ein Gespräch über die Frage, was jetzt zählen soll, setzt voraus, dass Sie auf festem Boden stehen. Das sind die meisten. Ich stelle keine Diagnosen; die folgenden Punkte sind die Beobachtungen, bei denen zuerst eine andere Adresse zuständig ist:

  • Sie schlafen seit mehr als drei Wochen schlecht, und es wird nicht besser.
  • Was Ihnen früher Freude machte, ist Ihnen gleichgültig geworden – nicht nur die Arbeit, auch Menschen, Essen, Bewegung.
  • Sie trinken mehr als früher und geben es vor sich selbst ungern zu.
  • Sie denken daran, dass es ohne Sie einfacher wäre. Dann warten Sie nicht auf einen Arzttermin: Dargebotene Hand, Telefon 143, rund um die Uhr; im Notfall 144.

Trifft eines davon zu, gehört der erste Termin zum Hausarzt oder zur Hausärztin, nicht zu mir. Ob dahinter eine Erkrankung steht, beurteilt die Ärztin oder der Arzt, nicht ich; ein Gespräch über Mandate ersetzt diese Abklärung nicht. Sparring ist keine Psychotherapie und ersetzt sie nicht; wo die Grenze verläuft, steht unter Wann brauchen Sie einen Therapeuten, wann genügt ein Gesprächspartner?. Eine behandelte, stabile Erkrankung ist kein Ausschluss.

Kurz gesagt

Die meisten Pensionierten in der Schweiz sind zufrieden; schwierig wird es dort, wo der Beruf jahrzehntelang die Antwort auf «Wer sind Sie?» war. Was dann fehlt, ist nicht Geld und nicht Beschäftigung, sondern eine Frage, die nur Sie beantworten können, und ein Gegenüber ohne eigenes Interesse an der Antwort. Mandate und Ehrenämter beantworten die Frage nicht, sie verschieben sie – klären Sie deshalb zuerst, was zählen soll, und sagen Sie erst dann zu.

Wenn Sie diese Frage mit jemandem durchdenken möchten, der nichts davon hat: Winn Chelini, unabhängiger Vertrauter und Sparringspartner in Zürich, an der Goldküste und in Zug. Der erste Schritt ist ein vertrauliches Gespräch – 20 Minuten, telefonisch oder per Video, kostenlos und ohne Nachfassen.

Vertrauliches Gespräch anfragen

Kurz beantwortet

Fragen zu diesem Thema

Soll ich direkt nach der Pensionierung ein Verwaltungsratsmandat annehmen?

Nicht das erste, das kommt. Mit Abstand zwischen Austritt und Zusage entscheiden Sie aus Übersicht, nicht aus Verlegenheit. Klären Sie vorher, ob Sie das Mandat wollen oder ob Sie wieder gebraucht werden wollen – und was die Person sagt, mit der Sie leben.

Ist ein Gespräch über die Pensionierung nicht eher Sache der Vorsorgeberatung?

Für AHV, Pensionskasse, Kapitalbezug und Steuern ja – dafür sind Vorsorgeberatung, Pensionskasse und Treuhänder zuständig. Das Gespräch mit mir dreht sich um das, was danach kommt: welche Rolle Sie wollen, welche Angebote Sie ablehnen und was die Pensionierung für Ihre Partnerschaft bedeutet.

Wann ist der beste Zeitpunkt für ein solches Gespräch – vor oder nach dem Austritt?

Beides geht. Ein bis zwei Jahre vor dem Austritt lassen sich Erwartungen klären, bevor Zusagen gemacht sind. Nach dem Austritt ist der Anlass oft konkreter: ein Angebot, ein leerer Kalender, eine Spannung zu Hause. Oft genügt ein einzelnes Gespräch von 60 Minuten.

Quellen

  1. Swiss Life, Studie «Wie lebt es sich im Rentenalter?» (YouGov, Januar 2025, n = 2'063, 65–80 Jahre), Medienmitteilung vom 26. Juni 2025 – swisslife.ch, abgerufen am
  2. AXA Schweiz, Ruhestandsmonitor 2025 (n = 1'200, davon 302 pensioniert), Presse-Briefing vom 16. September 2025 – images.viewonline.axa-im.com, abgerufen am
  3. Swiss Life, Studie «Länger arbeiten» (2024, Basis BFS-Arbeitskräfteerhebung SAKE 2018–2022) – swisslife.ch, abgerufen am
  4. CFB-HSG / Credit Suisse, Nachfolgestudie 2022 (über 150 Unternehmen, Befragung März–April 2022), Mitteilung der Universität St. Gallen vom 1. September 2022 – unisg.ch, abgerufen am
  5. UBS / CFB-HSG, Unternehmensnachfolge Kurzstudie 01 (Januar 2026, Befragung von 401 KMU-Inhabern im September 2025) – cfb.unisg.ch, abgerufen am
  6. BAG / FMH, IHP-Befragung 2025 der Hausärztinnen und Hausärzte (n = 1'313), Medienmitteilung vom 29. Januar 2026 – bag.admin.ch, abgerufen am

Veröffentlicht: Zuletzt aktualisiert:

Das vertrauliche Gespräch. Kostenlos, 20 Minuten.

Am Telefon oder per Video. Sie müssen nichts vorbereiten und nichts begründen. Danach wissen Sie, ob meine Art zu Ihnen passt.

Vertrauliches Gespräch anfragen

oder direkt anrufen:Anrufen: +41 78 239 12 12

Winn Chelini
Winn CheliniWetzikon ZH · Deutsch und Englisch