Notizen

Nach dem Firmenverkauf: wer bin ich ohne die Firma?

Die Leere nach einem gelungenen Firmenverkauf ist häufig und kein Zeichen, dass der Entscheid falsch war. Mit der Firma gehen drei Dinge: die Rolle, der Takt und die Gesprächspartner. Was davon Sie zurückwollen, gehört vor das nächste Projekt. Wer das zuerst für sich klären will, findet dieses Gespräch bei Winn Chelini in Zürich, an der Goldküste und in Zug.

Warum fühlt sich ein guter Verkauf leer an?

Ein Fall, wie er mir in ähnlicher Form öfter begegnet: Jemand ist 61, hat die Firma vor acht Monaten verkauft, der Preis stimmte, die Übergabe lief sauber. Der Treuhänder, der Anwalt und der M&A-Berater haben gratuliert und ihre Schlussrechnung geschickt. Seit dem Tag, an dem das Geld kam, hat niemand mehr angerufen. Montagmorgen, sieben Uhr: Er steht in der Küche und weiss nicht, wofür er aufgestanden ist.

Das ist kein Zeichen, dass der Verkauf falsch war. Es ist die normale Reaktion auf das Ende einer Rolle, die Sie zwanzig oder dreissig Jahre lang ausgefüllt haben. Die Mitteilung der Universität St. Gallen und der UBS vom 28. Mai 2026 beschreibt es so: Wer jahrzehntelang ein Unternehmen aufgebaut hat, gibt mit der Übergabe nicht nur Vermögen ab, sondern oft auch Identität, Status und Einfluss. Thomas Zellweger, der die Studie leitet, ergänzt: «Manche Menschen können ihr Lebenswerk nicht loslassen.» Diese drei Dinge standen nicht im Kaufvertrag. Sie sind trotzdem weg.

Erschwerend kommt dazu, dass Sie es kaum jemandem sagen können. Alle gratulieren. Wer finanziell frei ist und klagt, dass der Montag fehlt, erntet Unverständnis, auch in der eigenen Familie. Also schweigen die meisten. Die Frage bleibt, und sie wird nicht kleiner, weil man sie nicht ausspricht.

Was genau fehlt? Das Geld ist es nicht

Geld war selten das Problem, und es ist selten die Lösung. Was mit der Firma geht, lässt sich in drei Dinge ordnen.

Die Rolle. Auf die Frage «Und was machen Sie?» hatten Sie dreissig Jahre lang eine Antwort, die mit einem Firmennamen begann. Jetzt beginnt sie mit «Ich habe …». Das ist ein anderer Satz. Dazu gehören die kleinen Dinge, die man erst merkt, wenn sie fehlen: der Name an der Tür, der Platz am Tisch bei der Weihnachtsfeier, die Selbstverständlichkeit, mit der Leute auf Ihren Rückruf warteten.

Der Takt. Jahrzehntelang hat die Firma Ihren Tag strukturiert: Montagssitzung, Quartalsabschluss, Messe im Frühjahr, Lohnlauf am Fünfundzwanzigsten. Ihr Kalender war voll, und er wurde von anderen gefüllt. Jetzt ist er leer, und Sie müssen ihn selber füllen. Viele unterschätzen, wie viel von ihrer Energie aus diesem Takt kam und nicht aus ihnen selbst.

Die Gesprächspartner. Die Menschen, mit denen Sie täglich gesprochen haben – Geschäftsleitung, Schlüsselkunden, Treuhänder, der Bankberater –, waren an die Rolle gebunden, nicht an Sie. Das ist niemandem vorzuwerfen. Aber es heisst, dass mit der Firma auch das Gespräch aufhört, und zwar genau in dem Moment, in dem Sie es am meisten brauchten.

Eine Zahl, die das erklärt: In der UBS/CFB-HSG-Kurzstudie vom Januar 2026 (401 KMU-Inhaberinnen und -Inhaber, befragt im September 2025) sehen 76 Prozent den Erfolg ihres Unternehmens stark an die eigene Person oder an den Geschäftsführer gebunden. Wer die Firma so getragen hat, wurde auch von ihr getragen. Fällt das eine weg, fehlt das andere.

Was zeigen Schweizer Zahlen über die Zeit nach der Übergabe?

Die Universität St. Gallen hat zusammen mit der Credit Suisse im März und April 2022 über 150 Unternehmen zu ihrer Nachfolge befragt, darunter auch Grossunternehmen. Drei Befunde aus der Mitteilung vom 1. September 2022 sind für die Zeit danach aufschlussreich.

Befund (HSG/CS 2022) Was er für Sie heisst
In 80 Prozent der realisierten Übergaben zog sich die abgebende Person aus Alters- oder Gesundheitsgründen zurück. Bei den meisten gibt das Alter oder die Gesundheit den Zeitpunkt vor, nicht ein freier Entschluss. Wer früh und aus eigenem Antrieb verkauft hat, findet deshalb wenig Vorbilder.
Fast die Hälfte der abgebenden Generation ist zwei Jahre nach der Übergabe noch mindestens eine Stunde pro Woche im Betrieb. Die Rolle ganz loszulassen, fällt vielen schwer. Bleiben ist bequem, beantwortet die Frage aber nicht, sondern verschiebt sie.
27 Prozent erlebten während der Übergabe konfliktgeladene Momente. Der Abschied ist auch für die, die bleiben, nicht einfach. Reibung nach dem Verkauf ist keine Ausnahme.

Der Agenturbericht zur gleichen Studie (AWP, 1. September 2022) nennt zwei weitere Zahlen, die in der HSG-Mitteilung selbst nicht stehen und deshalb mit Vorbehalt zu lesen sind: Rund 11 Prozent arbeiten zwei Jahre nach der Übergabe noch mehr als 40 Stunden pro Woche im Betrieb, und 30 Prozent der Abgebenden können sich nach Einschätzung ihrer Nachfolgerinnen und Nachfolger nicht von der Rolle lösen.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens erfassen diese Zahlen Übergaben jeder Art, nicht nur den Verkauf an Dritte; wer an einen Konzern oder einen Investor verkauft hat, hat die Tür meist schneller und endgültiger hinter sich. Zweitens: Für die oft zitierte Behauptung, die meisten Verkäufer bereuten ihren Entscheid schon im ersten Jahr, gibt es keine auffindbare Primärquelle; ich verwende sie nicht. Die Schweizer Daten zeigen etwas Nüchterneres: Die Rolle hört nicht am Tag der Unterschrift auf, sondern Monate oder Jahre später, und viele sind darauf nicht vorbereitet.

Welche drei Fragen lohnen sich, bevor Sie ein neues Projekt starten?

Die Versuchung ist gross, das Loch rasch zu füllen: ein Verwaltungsratsmandat, eine Beteiligung, die Stiftung, das Start-up des Sohnes, ein Haus im Tessin. Manches davon ist richtig. Aber was Sie in Woche zehn aus Leere heraus annehmen, hätten Sie im zweiten Jahr vielleicht nicht gewählt. Drei Fragen vorher.

  1. Was von dem, was weg ist, wollen Sie zurück – und was nicht? Gehen Sie Rolle, Takt und Gesprächspartner einzeln durch. Die meisten, mit denen ich spreche, vermissen den Takt und die Gespräche. Die Verantwortung für Löhne, Bank und Haftung vermissen sie nicht. Das ist eine andere Ausgangslage als «Ich brauche wieder eine Firma».

  2. Welche Anfragen kommen jetzt auf Sie zu, und wessen Bedürfnis bedienen sie? Nach einem Verkauf melden sich viele: der Vermögensverwalter mit einem Mandat, der Bekannte mit einer Beteiligung, der Verband mit einem Amt. Jede dieser Anfragen ist für die anfragende Seite sinnvoll. Ob sie für Sie sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt, und niemand ausser Ihnen prüft das.

  3. Wer darf Ihnen widersprechen, jetzt, wo es niemand mehr muss? In der Firma gab es Menschen, die Ihnen aus Pflicht widersprochen haben: die Finanzchefin, der Verwaltungsrat, der Treuhänder. Diese Pflicht ist mit dem Verkauf erloschen. Wer übernimmt sie, wenn Sie das nächste Mal eine Entscheidung mit sechs Nullen treffen?

Ein praktischer Zusatz: Legen Sie für sich eine Frist fest, vor der Sie nichts Grösseres unterschreiben. Nicht, weil Eile falsch wäre, sondern weil die Leere die Eile antreibt und sich das erst nach einigen Monaten zeigt.

Wann ist das keine Frage für ein Gespräch, sondern für den Hausarzt?

Die Leere, von der hier die Rede ist, ist eine normale Reaktion auf einen grossen Übergang. Sie lässt sich ordnen und beantworten. Es gibt aber einen Punkt, an dem ein Gespräch nicht mehr das Richtige ist, und den sollten Sie kennen.

Wenn eine gedrückte Stimmung über Wochen anhält, wenn Sie nachts seit längerem nicht mehr durchschlafen, wenn Dinge, die Ihnen Freude gemacht haben, Ihnen gleichgültig geworden sind, wenn Sie sich zurückziehen oder mehr trinken als früher: Dann gehört das zuerst zu Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin. Dort werden körperliche Ursachen abgeklärt und, wenn nötig, eine psychotherapeutische Fachperson beigezogen. In einer akuten Krise wenden Sie sich an die Dargebotene Hand, Telefon 143; in Notfällen gilt die 144.

Ich stelle keine Diagnosen und behandle nicht. Ob aus einer Leere etwas geworden ist, das behandelt werden sollte, beurteilt eine Ärztin oder ein Psychotherapeut, nicht ich. Sparring setzt voraus, dass Sie handlungsfähig sind; was Sparring von Psychotherapie unterscheidet, steht in den Fragen und Antworten. Zeigt sich im Gespräch, dass Sie etwas anderes brauchen, sage ich es Ihnen offen und helfe Ihnen, die passende Stelle zu finden.

Was ein Sparring nach dem Exit leistet

Ein Sparring ist ein Gespräch zwischen zwei Erwachsenen, 60 Minuten, bei Ihnen zu Hause, im Gehen am See oder online. Kein Programm, keine Übungen, kein Trauermodell mit Phasen. Eine Firma habe ich nie verkauft; deshalb frage ich nach, statt zu vergleichen.

Was wir tun: die drei Dinge – Rolle, Takt, Gesprächspartner – auseinandernehmen und einzeln anschauen; die Anfragen, die bei Ihnen liegen, auf ihre Interessen prüfen; die Annahmen hinter «Ich muss wieder etwas aufbauen» testen; und am Ende festhalten, was Sie als Nächstes tun oder bewusst noch nicht tun. Oft genügt ein Gespräch. Ein weiteres gibt es nur, wenn Sie es wollen.

Was ich nicht tue: Ihr Vermögen anlegen oder dazu raten – das gehört zu Ihrer Bank oder einem unabhängigen Honorarberater. Keine Steuer- oder Rechtsberatung zum Earn-out oder zur Holding. Keine Therapie. Und keine Entscheidung, die ich Ihnen abnehme.

Vertraulichkeit sage ich Ihnen schriftlich zu, auch darüber, dass wir uns kennen. Sie hat drei Grenzen: eine rechtsverbindliche Anordnung eines Gerichts oder einer Behörde, akute Gefahr für Leib und Leben, das Wohl eines Kindes. Ein Berufsgeheimnis wie Ärzte oder Anwälte habe ich nicht; was gilt, steht in der Notiz «Hat ein Coach Schweigepflicht? Was in der Schweiz gilt».

Der Preis ist fix und richtet sich nach Format und Dauer, nie nach Ihrer Person. Sie erfahren ihn im vertraulichen Gespräch – vor dem ersten Sparring, nicht danach. Das erste, vertrauliche Gespräch von 20 Minuten ist kostenlos; die Anfahrt ist im Umkreis von 60 Fahrminuten um Wetzikon inbegriffen. Steht der Verkauf noch bevor, ist die Notiz «Firma verkaufen oder behalten: die Fragen vor den Zahlen» der bessere Einstieg.

Kurz gesagt

Die Leere nach einem gelungenen Firmenverkauf ist häufig, und sie ist kein Zeichen, dass der Entscheid falsch war: Mit der Firma gehen Rolle, Takt und Gesprächspartner, nicht nur Vermögen. Schweizer Zahlen zeigen, dass die Rolle für viele nicht am Tag der Unterschrift endet, sondern Monate oder Jahre später, und dass die meisten darauf nicht vorbereitet sind. Bevor Sie das Loch mit dem nächsten Mandat füllen, lohnt es sich zu klären, was genau Sie vermissen und wer Ihnen künftig widerspricht; hält eine gedrückte Stimmung über Wochen an, gehört die Frage zuerst zum Hausarzt.

Wenn Sie diese Frage mit jemandem durchdenken möchten, der nichts davon hat: Winn Chelini, unabhängiger Vertrauter und Sparringspartner in Zürich, an der Goldküste und in Zug. Der erste Schritt ist ein vertrauliches Gespräch – 20 Minuten, telefonisch oder per Video, kostenlos und ohne Nachfassen.

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Kurz beantwortet

Fragen zu diesem Thema

Wie lange hält die Leere nach dem Firmenverkauf an?

Dafür gibt es keine verlässliche Zahl. Erfahrungsgemäss wird es leichter, sobald Sie wissen, was genau fehlt: die Rolle, der Takt oder die Gesprächspartner. Dauert eine gedrückte Stimmung über Wochen an oder ist der Schlaf anhaltend gestört, klären Sie das zuerst mit Ihrem Hausarzt.

Soll ich nach dem Verkauf gleich eine neue Firma gründen?

Nicht aus der Leere heraus. Prüfen Sie zuerst, was Sie vermissen – meist ist es der Takt, nicht die Verantwortung. Eine Gründung, die diese Frage beantwortet, hat eine andere Grundlage als eine, die sie nur zudeckt; im zweiten Fall kommt die Frage erfahrungsgemäss später wieder hoch.

Ich bin noch im Earn-out. Ist ein Sparring jetzt schon sinnvoll?

Ja, gerade dann. Im Earn-out tragen Sie Verantwortung ohne Entscheidungsmacht, und die Frage, wer Sie danach sind, lässt sich besser vor dem letzten Tag klären als am Montag danach. Vertragsfragen zum Earn-out bleiben bei Ihrem Anwalt.

Quellen

  1. Universität St. Gallen (CFB-HSG) und Credit Suisse, Nachfolgestudie 2022 «Emotionen erschweren Übergabe in Schweizer Familienbetrieben», Umfrage März–April 2022, über 150 Unternehmen – unisg.ch, abgerufen am
  2. AWP via cash.ch, «Übernahmen von Familienunternehmen führen oft zu Konflikten» (Bericht zur Nachfolgestudie 2022: 11 % über 40 Stunden, 30 % laut Nachfolgern) – cash.ch, abgerufen am
  3. Universität St. Gallen und UBS, «Nachfolge: Generationenwechsel in Schweizer Familienunternehmen», Zitat Thomas Zellweger – unisg.ch, abgerufen am
  4. UBS und CFB-HSG, Unternehmensnachfolge Kurzstudie 01 (Befragung von 401 KMU-Inhabern, September 2025) – cfb.unisg.ch, abgerufen am
  5. Chelini, Sparring: Formate und Ablauf – chelini.ch, abgerufen am

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Am Telefon oder per Video. Sie müssen nichts vorbereiten und nichts begründen. Danach wissen Sie, ob meine Art zu Ihnen passt.

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